Mein Senf zu: Winterpony

Sei gegrüßt.

Buchhändlerin zu sein ist schon cool. Also mal abgesehen davon, dass ich in der Buchbranche einfach zuhause bin und der Job der beste der Welt ist, habe ich ja auch immer freien Zugriff auf die Leseexemplare, die der Laden automatisch von Verlagen erhält. Wir stürzen uns immer sehr auf die Leseexemplar-Pakete, weil wir gespannt sind, was drin ist. Ein kleines bisschen wie Weihnachten nur öfter im Jahr.
Kürzlich blickte mir ein Pferd entgegen, das zu einem Buch gehört, dessen Titel auch irgendwie so ein wiiiinziges bisschen in die Weihnachtsrichtung geht. Um dieses Pferd… ähm Pony… also Buch soll es heute gehen.

Neugierig machte mich nämlich tatsächlich das, eigentlich eher simple, Cover. Aber das Ponygesicht auf dem Cover ist so realistisch gezeichnet, dass ich mir das Buch genauer anschauen musste. Ich mag Pferde und das Buch machte endlich mal den Eindruck keine „klassische“ Pferdegeschichte -á la Internat/Reiterhof/Seelenverwand mit Wildpferd – zu sein.

Allgemeine Infos

KlappentextEckdaten
„Seite an Seite kämpften und stolperten und hievten wir uns vorwärts. Und niemand dachte an Umkehr. So stark war das Verlangen der Männer nach dem Pol. Sie würden niemals umdrehen, komme, was da wolle.“

Der preisgekrönte kanadische Autor Iain Lawrence erzählt meisterhaft eine atemberaubende Geschichte aus ungewohnter Perspektive: die berühmte Südpolexpedition von Robert F. Scott 1910 bis 1913 – erlebt aus der Sicht eines Ponys.

Titel  Winterpony
AutorIn  Iain Lawrence
Verlag  Freies Geistesleben
ISBN  978-3-7725-2968-9
Seiten  320
Erscheinungsdatum  25.08.2020
Preis (Hardcover)  19,00 €
Alterseinstufung  ab 12 Jahre

Mein Senf

Tja, da war ich also kürzlich in der Antarktis. Das ich dabei die meiste Zeit ein Pony war, also zumindest durch die Augen eines Ponys geschaut habe, hat dem Abenteuer keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil: Der völlig neue Blickwinkel war toll – erfrischend, neu, anders. Davon abgesehen ist James Pigg – also das Pony – eine der liebenswürdigsten Figuren, die mir je begegnet ist.

Ich mag „echte“ Abenteuergeschichten, solche Geschichten über Entdecker, Glücksritter und Abenteurer, die wirklich gelebt haben. Ich mag allerdings Biographien eher weniger. Daher ist so ein Jugendbuch – oder auch ein anderer Roman – genau das Richtige für mich.
Robert F. Scott war mir ein Begriff. Der hatte irgendwas mit dem Südpol zu tun. Irgendwie ist er dafür auch berühmt. Das war so in etwa alles was ich vor der Lektüre von „Winterpony“ über Scott wusste.
Roald Amundsen, den kannte ich schon eher. Das war der erste Mann am Südpol. Dass er sich im Prinzip ein Rennen mit Scott geliefert hat, wusste ich nicht.
Lange Rede kurzer Sinn, ich bin also total unbedarft an dieses Buch herangegangen. Antarktis klang super spannend, Expedition auch und ich mag Pferde – und Ponys.

Und was habe ich bekommen? Genau das, was ich erwartet habe.
Iain Lawrence schafft es, den Leser wirklich mit in die Arktis zu nehmen. Ich hörte die Schneestürme heulen, habe gefroren und wurde schneeblind. Ich bin als Pony durch den Schnee gestapft und habe als Mensch meine Hand an das warme, weiche Fell von James Pigg geschmiegt.
Die Geschichte ist krass, weil sie – zum Großteil – wahr ist. Selbst heute ist es sicher kein Zuckerschlecken, quer durch die Antarktis zum Südpol zu laufen. Aber 1910?! Bei Temperaturen bis -40° C oder noch kälter. Angst, Schmerz und Hunger waren ständige Begleiter. Aber eben auch Hoffnung, Mut und Kameradschaft.

Ich mochte die Wechsel zwischen Erzählung aus Sicht des Ponys und den sachlichen Berichten zu Scotts Expedition. So erfährt man wirklich viel über die ganze Angelegenheit, ohne ein Sachbuch lesen zu müssen. Genauso lassen sich aber auch Dinge beleuchten, die aus der eingeschränkten Perspektive eines Ponys – oder überhaupt eines Ich-Erzählers –  nicht möglich wären. Hinweise zu Amundsen etwa.

„Winterpony“ ist keine fröhliche Zuckerwatte-Pferdegeschichte. Es ist eine knallharte Abenteuerstory über Männer, die den Ruhm suchten – und dabei leider einige wirklich nicht sehr kluge Entscheidungen fällten – und über ihre Ponys. Und genau die, die Ponys, sind bei der ganzen Sache die wahren Helden.

Deine
Marina
(DarkFairy)

Ausblick Ich habe Lust nochmal einen Beitrag zu DSA zu machen. Was genau weiß ich noch nicht, aber irgendwie wird es damit zu tun haben…
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